Wildtierhilfe Pforzheim

Die Wildtierhilfe in Huchenfeld wurde vor 10 Jahren von Jeanine Nikolaus und ihrem Mann gegründet.

Zusammen mit ihr helfen noch Familie und Freunde in Bereichen der Pflege der Tiere, der Auswilderung und der Neugestaltung der Wildtierhilfe mit. Jährlich durchlaufen ca. 400 bis 500 Tiere die Wildtierhilfe, darunter Feldhasen, Wildschweine und Jungvögel, aber auch Mäuse, Rehkitze und noch viele weitere Tiere, die zu Jeanine in die Wildtierhilfe gebracht werden.

Jetzt im Frühjahr ist Rehkitzsaison, also auch die Hochsaison für die Rehkitzversorgung. Ein oft genannter Grund dafür, dass zum Beispiel Rehkitze zu Jeanine gebracht werden, ist tatsächlich, dass die Geisen (die Mütter der Kitze) verunfallt oder verletzt gefunden werden, zum Beispiel aufgrund eines Hundebisses. Der häufigste Grund dafür ist jedoch, dass viele Leute die Kitze verlassen in einem Feld oder in der Wiese finden und dann den Impuls verspüren es retten zu wollen, obwohl die Lage für die Kitze ideal ist, denn so sind sie am besten vor Fressfeinden geschützt und die Mutter ist in der Regel auch nicht weit entfernt. Falls man das Rehkitz doch berührt hat, kann in der Regel keine Rückführung zur Mutter mehr stattfinden, da sie es aufgrund des Geruches nicht mehr annehmen wird. Deshalb werden sehr viele Rehkitze zu Jeanine gebracht.

Trotz der Sicherheit des Grases auf den Feldern gibt es auch einige Gefahren für die Kitze im Frühjahr. Denn genau zu dieser Jahreszeit wollen viele Bauern meistens ihre hohen Felder mähen und übersehen dabei aber oft die kleinen Rehkitze, die versteckt im Gras liegen. Aufgrund dessen gibt es freiwillige Rehkitzrettungen wie zum Beispiel vom NABU, um die Kitze zu retten, bevor das Feld gemäht wird und sie danach wieder zurückzusetzen. Oft tritt aber auch der Fall ein, dass doch ein Kitz den Maschinen zum Opfer fällt und dann werden die Rehkitze auch umgehend zur Behandlung in eine Rettungsstation gebracht, sofern die Verletzungen noch behandelbar sind. Neben verletzten Rehkitzen werden auch verwaiste Kitze aufgenommen, da sie niemanden mehr haben, der sich um sie kümmert. Wenn die Rehkitze aufgrund der oben genannten Gründe zu Jeanine und ihrem Team gebracht werden, werden sie sofort nach irgendwelchen Verletzungen oder Auffälligkeiten untersucht. Ist dies der Fall werden sie dementsprechend behandelt und versorgt. Während ihrer Zeit in der Wildtierhilfe werden die Tiere artgerecht gehalten und täglich von Jeanine und ihrem Team gefüttert und rund um versorgt. Hierbei ist es jedoch besonders wichtig, dass der Kontakt zu den Menschen minimiert bleibt, da der Fluchtinstinkt für die Auswilderung später essenziell ist. Um das Rehkitz auf die Auswilderung vorzubereiten wird geschaut, ob es selbstständig frisst und ob es noch scheu auf Menschen reagiert, denn je weniger es sich für Menschen interessiert, desto besser. Am Ende können die Kitze ausgewildert werden, wenn sie keine Milch mehr brauchen, körperlich stabil sind und sie sich wie ein wildes Tier verhalten.

 

Die Rehkitzrettung

In der Saison der Rehkitzrettung von Ende April bis Anfang Juli gibt es sehr viel Arbeit. In dieser Zeit bekommen die freiwilligen Helfer meist nur wenige Stunden Schlaf, bis sie früh am Morgen von den Landwirten gerufen werden. 

Das Team von Ilko Krätschmar vom NABU Neulingen, der Drohnenpilot ist, umfasst derzeit knapp 10 Helfer mit zwei Piloten, an welchen über 80 % der Saisonarbeit hängt. Der Pilot hat einige Aufgaben. Zunächst müssen die vom Landwirt eingereichten Flächen geprüft werden. Das heißt die rechtlichen Bedingungen, die Hindernisse (Strommasten, Straßen, Gewässer, Häuser…) und die allgemeine Lage (Nähe zum Flughafen…) müssen überprüft werden. Auch die Nähe zum Wald, die Situation der Anfahrt und weitere Aufträge am gleichen Tag müssen mit in die Planung einfließen.

Größe und Komplexität der Flächen sowie Temperaturen sind ebenfalls zu beachten. Mit diesen Informationen werden dann Startpositionen und Zeitpläne erstellt. Es werden für jeden Mähtag WhatsApp-Gruppen erstellt und die Helfer werden koordiniert. 
Die Vorbereitung der Boxen und das Aufladen der Akkus ist essenziell für eine erfolgreiche Rettung. Hauptsächlich Frauen sind in seinem Team und die Teilnahme sei sehr unbeständig und somit eine schwierige Situation. Die Retter zu rufen liegt in der Verantwortung sowie im Eigeninteresse des Landwirtes. Die Strafe für den Landwirt für ein vermähtes bzw. getötetes Rehkitz liegt zwischen 800 € und 3.000 €. Durch die etwas kühleren Temperaturen am Morgen kann das Kitz mit Wärmebildkameras an Drohnen besser gesichert werden. Auch abends können Rettungsaktionen durchgeführt werden. Mittags ist es allerdings schwierig, da sich die Körpertemperatur der Kitze nicht signifikant von der Umgebung unterscheidet. Außerdem sind die Kitze am Morgen noch nicht so aktiv. 

Bei einer Rettung braucht man mindestens zwei Personen, drei sind jedoch besser. Oft sind auch noch ein Jagdpächter, der Landwirt und Zuschauer anwesend. Diese bekommen von dem Piloten mit der Drohne ihre jeweilige Aufgabe. Eine Person überfliegt das betroffene Feld mit einer Drohne. Die beiden anderen müssen das mit der Drohne entdeckte Kitz im Feld packen und in eine Box setzen. In der Box befindet sich Gras aus der Umgebung. Nachdem das Feld gemäht wurde, wird das Kitz wieder an die gleiche Stelle gesetzt oder an einen geschützten Platz in der Nähe. Die beiden Helfer, die für die Bergung des Kitzes verantwortlich sind, tragen Handschuhe und reiben die Kitze mit Gras ein. Das Tragen von Handschuhen ist sehr wichtig, da das Kitz sonst aufgrund des menschlichen Geruchs von der Ricke abgestoßen werden könnte. Wenn die Retter gerufen werden, ist es jedoch nicht immer sicher, dass sie ein Kitz retten bzw. finden können. Manche Kitze rennen weg und verschwinden in Wäldern in der Nähe des Feldes oder in anderen Verstecken. Es kann auch sein, dass auf der betroffenen Fläche gar keine Kitze gefunden werden. Mit solchen Situationen muss man auch rechnen. Es werden tatsächlich mehr Wiesen ohne Kitzfunde überflogen als mit. 
In der letzten Saison wurden 121 Kitze von Ilko Krätschmars Team gerettet, die in etwa 70 Wiesen lagen. Es wurden aber tatsächlich über 450 Wiesen überflogen. Die Dauer ist abhängig von der Mobilität und Anzahl der Rehkitze. Je älter die Kitze sind, desto mobiler sind sie und somit ist es auch schwieriger sie zu bergen. Wenn kein Kitz gefunden wird, dauert es 10-15 Minuten zuzüglich Fahrtzeit. Wenn ein Kitz geborgen werden muss, kommen ca. 10-20 Minuten dazu. Selten dauert es auch mal bis zu einer Stunde. Im Juni ist es der Regelfall, dass die Rehkitze mobil sind und man rechnet somit von 15 bis 30 Minuten pro Kitz. Bei einer solchen Rettung werden selbstverständlich auch andere Tiere gerettet. Zum Beispiel Katzen, Fasane, ausgewachsene Rehe und weitere Tiere. Auch junge Feldhasen müssen aus dem Feld entfernt werden, obwohl sie schwerer zu finden sind aufgrund ihrer Größe und Geschwindigkeit. Meistens werden diese aus der Mähwiese gedrängt. Durch Mähmaschienen oder Hundebisse schwerverletzte Kitze werden leider auch gefunden. In solchen Fällen kommt meistens ein Jäger um es zu erlösen oder es kommt mit viel Aufwand zur Wildtierhilfe, wenn man es noch retten kann. Kranke Kitze mit Augenentzündung oder Schnupfen können schonmal vorkommen. Wenn ein Kitz Kontakt mit dem Mähdrescher hat und reingerät ist der Tod eigentlich sicher, so Ilko Krätschmar.

Luisa Frey, Lilly Ganske (10d)